Die Merkel, die Fahrschule und die Radpanne….

…all das hat uns in den letzten Wochen – abseits des Schulalltags – beschäftigt.

Naja, um ehrlich zu sein, haben wir Frau Merkel leider nicht live erlebt, waren Stephan und ich doch nicht zum Empfang in der Botschaft eingeladen. (Wie schade!) Im Vorfeld hatten wir gehört, dass die Botschaftsmitarbeiter im Sommer komplettes Urlaubsverbot hatten, um die Anreise des deutschen Trosses vorzubereiten. Davon waren ja dann auch etliche unserer Schüler betroffen, die keinen Familienurlaub unternehmen konnten. Erholt schienen sie dennoch zu sein, aber eben nicht en famille. Dass unsere Kanzlerin in Beijing angekommen war, hatte dennoch Auswirkung auf unseren Alltag, denn die Buskinder kamen alle etwa 40min zu spät in die Schule, weil die Autobahn komplett gesperrt worden war. Der Flughafenzubringer wird eben auch von unseren Schulbussen genutzt, da einige Wohngebiete in der Richtung liegen. Fr. Merkel und Anhang wurden in Limousinen abgeholt und durften – entgegen des üblichen dichten Verkehrs – die Autobahn für sich allein haben.Welch Luxus! Zum abendlichen Empfang war die Schulleitung geladen, die von einem glamourösen Fest in gediegener Atmosphäre berichtete. Nur die Drängelei um den besten Platz neben der Kanzlerin für die zu veröffentlichenden Fotos war wohl wenig standesgemäß.

Ein bisschen aus der Schule:

Damit unsere 32 neuen Kollegen sich auch schnell einfinden und wir einander kennenlernen konnten, fuhren wir zu einem Kollgiumsausflug in die Berge. Aus der Wanderung wurde eher ein Spaziergang, weil die Busfahrer nicht sofort den richtigen Parkplatz fanden, aber Zeit zum Klönen gab es dennoch genügend Zeit beim anschließenden chinesischen Essen an etwa 15 runden Tischen zu je 8 Personen…..ja, wirklich soooo groß ist die Gruppe samt Kindergartenerziehern, aber es waren auch etliche Kinder beim Ausflug dabei. Am interessantesten war jedoch die Busfahrt hinaus aus der Stadt bzw. wieder zurück, über die vielen Autobahnringe, auf welchen wir entdeckten, wie die Fahrschulautos hier aussehen. In einem Aussenbezirk – auf etwas ruhigeren Strassen waren tatsächlich die Fahranfänger unterwegs, obwohl uns bislang nur bekannt war, dass auf abgeschotteten Verkehrsübungsplätzen geübt würde….weit gefehlt. Sie schlichen auf der Straße herum: Große Karossen mit langer Motorhaube – ähnlich einem amerikanischen Buick – und vier überdimensional großen Aussenspiegeln auf der Motorhaube montiert. (Schade! Hier fehlt eindeutig ein Foto, aber wir kamen aus dem Staunen einfach nicht mehr heraus!) Außerdem stand in großen chinesischen Lettern auf einem Schild, welches oben auf dem Dach angebracht war: Auto zum Üben!!! Ich hoffe, wir können bald Fotos nachliefern.

Da wir uns vorgenommen hatten, häufiger aus der Stadt rauszufahren und vor allem noch das schöne, immer noch heiße Sommerwetter zu nutzen, haben wir bereits 2 Sonntage auf dem Rad in den Bergen verbracht. Die erste Tour haben wir wieder mit dem „Peloton“ gemacht – einer Expat-Gruppe, die sich sonntags morgens um 6.30h trifft, die Räder in Kleinbusse verlädt und die Stadt in Richtung Nord/Nord-Ost verlässt. Die Radtouren werden immer eine Woche zuvor per email angekündigt, die Strecke wird als Karte verschickt, und die unterschiedlichen Streckenlängen werden ausgewiesen. So weiß man, worauf man sich einzustellen hat. Der Haken: wer nicht die längste Tour fährt, muss auf die letzten warten. Somit kann der Ausflug schnell zur Tagestour werden, auch wenn man selbst nur 3-4h gefahren ist. Aber wir hatten Glück: die Strecke war sehr überschaubar als Wendepunktstrecke auf einer einzigen Straße zu fahren…..sodass wir nicht Gefahr liefen, uns zu verfransen. Dieses wäre ja leicht möglich, da ausserhalb der Stadt (also ab etwa 50km außerhalb) NIX mehr in lateinischen Buchstaben zu finden ist……nur Zeichen!!! Und der Anspruch schien uns nicht allzu hoch, sodass wir recht weit mitfuhren, was uns die Wartezeit zum Ende verkürzte!!!! Tolle Ausblicke, absolute Stille, viel Grün und fantastisch ausgebaute Straßen.

An einem weiteren Sonntag, gleich in der folgenden Woche, probierten wir eine neue Strecke mit einer neuen Gruppe aus – allerdings stellten wir fest, dass einige, uns bekannte Gesichter mit dabei waren. Wenn man demselben Hobby frönt, trifft man sich scheinbar auch in dieser riesigen Stadt wieder. Wir standen noch früher auf, denn die Tour begann in den Hutongs, an einem recht neu eröffneten Radladen mit integriertem Café, und wir wollten direkt von dort aus gemeinsam hinausfahren, in die Berge hinein und dann in selbst gewählten Kleingruppen wieder zurück zum Laden oder wahlweise gleich nach Hause. Vorteil dieser Tour: wir würden mittags, so um 12h wieder daheim sein und hätten noch dann ganzen Tag vor uns, nur mit schon ein paar Kilometern in den Beinen (es sollten so 110km werden!). Wer in D begeistert Rad fährt, wird sich an diesen Anblick kaum gewöhnen …..

neben und unter der Schnellstraße

……   Für etliche Kilomter geht es erst einmal parallel zur Hauptstraße, bis die Außenbezirke und Berge erreicht sind. Aber hier nehmen wir eben den Verkehr, wohl oder übel, in Kauf- schließlich lockt das Fahren doch mehr!!

Leider kam ich nur bis etwa km 50….da sprang die Kette ab, ich legte sie wieder auf, aber dann brach das gesamte Schaltauge und die Schaltung zog sich in das Hinterrad. MIST! Mein schönes Rad….dachte ich nur und ärgerte mich darüber, dass ich wohl dazu beigetragen hatte. Schon öfter hat Stephan mit ermahnt, nicht so viel Spannung auf die Kette zu bringen, also ungünstige Übersetzungen zu fahren. So auch dieses Mal,…..ich hatte meinen Schaltfehler schon bemerkt, aber zu spät…..Sogleich sprang der uns begleitende Spanier Marcos von seinem Rad; er und Stephan versuchten zu retten, was zu retten war, aber fahrtauglich war mein Rad eben definitiv nicht mehr: ich sollte einen Rücktransport aus diesem Kaff amBerg benötigen. Und tatsächlich kam auch gleich ein (neugieriger) Chinese, um zu schauen, was passiert war…

Reparaturversuch

Er rief einen Freund, der mich mit einem Minivan abholen wollte. Und wirklich – kaum 20min später – kam der angefahren, wir verhandelten einen Preis und los ging´s.

Unterwegs gab es dann noch ein paar China-Eindrücke gratis, wie z.B. diesen Transport:

ein LKW voll Schafe

Einmal noch tanken zwischendurch, sodass ich auch mal eine Tankstelle sah, und feststellte, dass die Benzinpreise recht hoch sind – etwa € 1. Und dass bei dem geringen Einkommen in China. Das erstaunte mich sehr, und trotzdem war er mitnur etwa € 30 für meine Fahrt in die Stadt einverstanden…..

an der Tankstelle

mein schüchterner „Retter“

Toll, wie das klappte mit meinen paar Brocken Chinesisch, die ich nur mal wirklich ausprobieren konnte. Stephan hatte sich natürlich Sorgen gemacht, aber alles klappte, wie versprochen, und Angst um Übergriffe muss man wirklich nicht haben. Fast gleichzeitig mit Stephan kam ich dann zu hause an….. ein bisschen Stau hatten wir auf der Autobahn natürlich noch mitgenommen.

Jetzt warte ich sehnsüchtig auf die Ankunft meiner Mami, denn sie bringt nicht nur sich selbst, sondern auch ein neues Schaltauge für meinen Radrenner mit 🙂

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